In unserer schnelllebigen, konsumorientierten Welt klingt Verzicht wie eine Drohung. Wir suchen ständig nach mehr Ablenkung, mehr Kaffee, mehr Urlaub, um mit dem Chaos und den Herausforderungen, die uns im Familienalltag begegnen, umzugehen. Als vierfache Mama, Soziologin und MCP-Lehrerin weiß ich, wie schnell wir in die Falle des Funktionierens fallen. Umso wertvoller war meine persönliche Happy-Kur-Erfahrung, die für mich weit über ein bloßes Ernährungsexperiment hinausging. Es war eine achtsame Reise zu mir selbst – inmitten des täglichen Wahnsinns. Ich habe festgestellt: Wenn der Stress nicht mehr mit Zucker oder Koffein gefüttert wird, entsteht Raum für Wachstum. Hier ist mein persönlicher Erfahrungsbericht.
Wie alles begann
Das Buch von Susanne Korasani, „Be your own healer“, besaß ich schon länger. Ich nutzte es vorwiegend als Nachschlagewerk, wenn ich herausfinden wollte, welche Heilkräuter ich für welche Zipperlein nutzen kann. Und ja, von der Happy Kur und ihrer besonderen heilsamen Wirkung hatte ich darin bereits gelesen.
Aber mal ehrlich: Zehn Tage lang nur gekochten Buchweizen mit Gomasio – einer Mischung aus Sesam und Himalayasalz – zu essen, konnte ich mir als vierfache Mama, die das Leben genießt, gerne bunt ißt und liebend gerne ihren Kaffee in der Sonne trinkt, einfach nicht vorstellen.
Kurz vor Beginn erfuhr ich dann über den Newsletter von Susanne Korasani, dass sie plante, die 10-Tage-Happy-Kur kostenlos anzubieten. Die Happy Kur beruht im Kern auf der traditionellen Kur Nr. 7 nach Georges Ohsawa, dem Begründer der modernen Makrobiotik. Ohsawa lehrte, dass wahre Gesundheit durch das Gleichgewicht von Yin und Yang in unserer Nahrung entsteht. Seine strengste Kur – zehn Tage lang ausschließlich Vollkorngetreide – verfolgt das Ziel, den Körper tiefgreifend zu entgiften und den Geist so zu schärfen, dass wir wieder eine echte Verbindung zu uns selbst spüren.
Doch es war nicht nur die Idee einer heilsamen Ernährung, die mich bewegte. Es berührte mich auch der Gedanke des Fastens als inneren Friedensprozess. Besonders in Zeiten, die durch Krieg erschüttert sind und wir uns hilflos fühlen, ist es wichtig, bei uns selbst anzufangen. Frieden im Inneren zu finden – nicht als Leugnung der Grausamkeiten, sondern gerade auch als solidarischen Akt für die Menschen, die anderswo für ihre Freiheit kämpfen.
Ich beschloss, bei der Auftaktveranstaltung via Zoom mitzumachen und mir anzuhören, was Susanne zu sagen hat. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch unentschlossen – mal sehen, wie es läuft. Schließlich habe ich viel zu tun, nebenbei die Kinder, und überhaupt wusste ich gar nicht so richtig, ob das Fasten zu mir passt. Ich hatte noch nie in meinem Leben gefastet. Außer mal zwei Wochen auf Zucker verzichtet – und das war schon echt hart.
Aber nach diesen zweieinhalb Stunden war ich so fasziniert von dieser Frau mit ihrem ganzen Wissen zu Heilpflanzen, Ernährung und Heilungsprozessen im Körper, der Verbindung von östlicher und westlicher Heilkultur, ihrer offenen Art, ihrer Herzenswärme, dass meine innere Stimme sagte: Das machst du, Katrin. Das ist genau das Richtige. Ein achtsamer Prozess, eine Reise, ein Abenteuer. Und da ich seit jeher neugierig bin, was ich in mir alles entdecken kann, wusste ich: Ich mache das. Und zwar nicht nur als „Mal schauen“– sondern aus voller Überzeugung, mit Neugier und offenem Herzen.
Die Reise – Tag für Tag
Tag 1
Zunächst hatte ich Bammel. Buchweizen war mir nicht sonderlich lecker in Erinnerung geblieben, als ich ihn mal als Reisersatz ausprobiert hatte. Aber ich hatte mich mit den drei Zutaten: Buchweizen, Sesam und Goamasio eingedeckt und legte los: Ich kochte den Buchweizen, röstete Sesam in der Pfanne und mörserte diesen mit Himalayasalz zu Gomasio. Dazu mischte ich noch geröstete ganze Sesamsamen für den Knack. Und tatsächlich war ich überrascht – es schmeckte gut. Vor allem mit reichlich Gomasio darüber. Ich war mega erleichtert. Dazu trank ich Kräutertee und war guter Dinge, dass zumindest in den nächsten Tagen kein Ekel vor Buchweizen auftauchen würde.
Es gab eine Telegram-Gruppe für den Austausch, so dass ich das Gefühl hatte, auch bei Schwierigkeiten Ansprechpersonen zu haben. Das beruhigte mich zusätzlich. Abends beim Spazierengehen spürte ich bereits, dass ich mich gut fühlte – satt und zufrieden, ohne meinen Körper belastet zu haben. Ich ging sogar noch mit zwei Freundinnen in ihre Sauna im Garten und genoss die Wärme. Und obwohl ich nicht früh im Bett war, hatte ich das Gefühl, besser geschlafen zu haben. Normalerweise wache ich nachts mehrmals auf – diesmal schlief ich 7,5 Stunden durch.
Tag 2
Auch an Tag 2 fühlte ich mich gut. Zwar war ich etwas müde – aber anders als sonst. Mein Körper fühlte sich müde an, mein Kopf hingegen war wach und klar. Außerdem bemerkte ich: Meine Haare waren irgendwie weicher. War das von der Sauna? Aber das hatte ich doch sonst nach der Sauna nicht. Wieso glänzen meine Haare so? Überhaupt fühlte ich mich fit. Krass – warum geht es mir so gut? Müsste ich nicht irgendwelche Entzugserscheinungen haben? Vom Zucker, vom Koffein, vom Alkohol? Zahlreiche Gedanken tauchten auf – auch befeuert durch die Telegram-Gruppe, in der viele ihr anfängliches Leid teilten.
Ich genoss mein Frühstück in Ruhe. Dazu muss ich erwähnen: Zwei meiner vier Kinder, die Jüngsten, waren nicht da. Ich musste mich also nicht ums Kochen für andere kümmern – das war ein echtes Privileg. Außerdem waren Ferien, so dass ich nicht in die Elternschule musste.
Nachmittags tauchten dann doch erste Nebenwirkungen auf: Eine bleierne Müdigkeit überfiel mich plötzlich. Die Hunderunde musste noch sein, also ging ich schwerfällig raus. Nach dem Spaziergang war es etwas besser, aber ich fühlte mich immer noch müde und fröstelnd. Ich gönnte mir Ruhe mit dem Kirschkernkissen – leider immer wieder vom Klingeln an der Tür unterbrochen. Aber immerhin kurze Ruhepausen. Abends setzten dann Kopfschmerzen ein. Ich ging um 22:30 Uhr ins Bett.
Tag 3
Die Kopfschmerzen waren am Morgen leider immer noch da. Mist. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Kurzzeitig hatte ich Angst, dass sie sich zu einer Migräne ausweiten würden. Aber im Laufe des Tages verschwanden sie durch Essen, warmen Bittertee und Spaziergänge draußen.
Ich merkte, wie ich immer mehr in einen wachen Beobachter-Modus kam: Was passiert gerade in mir? Was brauche ich? Welche Gedanken tauchen auf? Welche Emotionen? Was will mir mein Körper sagen? Dadurch, dass ich nicht mehr so viel Zeit mit Einkaufen, Kochen und Abwaschen verbrachte, war plötzlich wieder mehr Raum zum Spüren. Alles war langsamer. Ich war langsamer. Ein Entschleunigungsprozess. Ich konnte die Signale meines Körpers viel besser wahrnehmen – ihm zuhören.
Am Nachmittag holte ich die neunjährigen Zwillinge ab. Der Lärmpegel und die Geschwindigkeit zu Hause stiegen an. Aber ich bemerkte, dass ich wesentlich ruhiger war als sonst. Es gelang mir das, was ich aus der Bergmeditation kannte wirklich zu fühlen: Es stürmt um dich herum, alles prasselt auf dich ein – und geht vorbei. Und du bist durch all diese unterschiedlichen Jahreszeiten und Wetterwechsel immer noch der gleiche Berg. Genial.
Neben dieser psychischen Stabilität und Klarheit die ich spürte, waren meine körperlichen Empfindungen Immer wieder unterschiedlich. Mal war ich voller Energie, mal sehr müde und träge. Und immer wieder überkam mich Kälte, die ich mit warmen Tees (besonders Ingwer) , Decken oder Schal und Mütze, sowie zahlreichen Kirschkernkissen auszugleichen versuchte. Mein Körper schien die Wärme für andere Prozesse zu brauchen.
Abends gab es dann aber die heftigste Herausforderung: Gemüsesuppe kochen für die Kinder. Ich schnippelte Zucchini, Möhren, Rettich – und die Farben und Gerüche nahm ich viel intensiver wahr als sonst. Das Gemüse lächelte mich an. Ich konnte nicht anders, es sah so verlockend aus, dass ich mir eine kleine Scheibe Rettich in den Mund schieben musste. Mmh… so saftig. Wie lecker doch ein kleines Stück Gemüse sein kann. Ok. Mist. Jetzt hast du wegen einem Rettich das Fasten gebrochen. Aber andererseits gab es ja die Regel: Lieber etwas gedünstetes Gemüse zum Buchweizen dazu geben, als die Kur ganz abzubrechen. Also – was soll’s. Zwar hatte ich nicht vor abzubrechen, aber tröstete mich mit diesen Regelungen. Ich entschied mich dafür, mir zu danken und stolz auf mich zu sein, diese Reise gestartet zu haben, anstatt mich zu verurteilen. Schließlich war die Happy Kur als Geschenk an mich selbst gedacht. Also bewusst nochmal eine liebevolle Stimme aktiviert, die sagte: Super Katrin. Der Rettich war lecker und saftig und tat dir gut. Und jetzt machst du weiter mit der Happy Kur. Du bist neugierig und möchtest deinem Körper mal eine Pause können. Du schaffst das! Also machte ich frohen Mutes weiter.
Ich saß mit dem Kindern am Tisch und aß meinen Buchweizen, während sie ihre bunte Gemüsesuppe löffelten. Die Kinder hatten sehr viel Mitgefühl und fragten immer ob es ok sei, dass sie neben mir aßen. Außerdem stellten sie mir interessiert viele Fragen. Hinterher dachte ich kurz: Warum habe ich eigentlich ausgerechnet eine Gemüsesuppe für sie gekocht? ich hätte doch auch etwas nehmen können, worauf ich in dem Moment nicht so Appetit gehabt hätte. Wahrscheinlich, weil ich glaubte: Wenn ich meinem Körper etwas Gutes tue, kann ich den Kindern nicht gleichzeitig Junk Food servieren. Die Suppe kam übrigens gut an!
Tag 4
Wahnsinn. Der Tag fing damit an, dass meine Kinder aus Solidarität mit mir keinen süßen Kram zum Frühstück wollten, sondern auch Buchweizen mit Gomasio. Und zu meinem Erstaunen hatte einer fast aufgegessen und der andere tatsächlich die komplette Portion verdrückt. Ob es vor allem aus Höflichkeit und Solidarität geschah – die Aussage war: „Es hat ok geschmeckt.“ Was bei manchen Kindern durchaus ein Kompliment sein kann. Zum Mittag- und Abendessen wollten sie dann aber doch lieber etwas anderes.
Ich fühlte mich sehr energiegeladen und beschloss, einen auseinandergebauten Schrank ins Auto zu laden und zum Recyclinghof zu fahren. Nachdem mein Teenie-Sohn und ich es mit viel Mühe und Kreativität geschafft hatten, alle Teile im Auto zu verankern, fuhren wir los. Leider war die Schlange beim Recyclinghof so lang, dass wir eine Ewigkeit gebraucht hätten – und da mein Sohn noch eine Verabredung hatte, fuhren wir unverrichteter Dinge wieder zurück. Aber hey – die Motivation war da!
Tag 4 war insgesamt ein sehr emotionaler Tag. Erst hätte ich vor Rührung über den solidarischen Akt der Kinder am Morgen fast geweint, dann überkamen mich im Laufe des Tages viele verschiedene Gefühle – darunter auch Traurigkeit. Ich ließ das Gefühl einfach da sein, ohne in die Analyse zu gehen. Ich war dankbar für den Hundespaziergang: Bewegung, Sonnenstrahlen, frische Luft.
Tag 5
Auch an diesem Tag fühlte ich mich körperlich kraftvoll und sehr ruhig und klar im Kopf. Ich hatte das Bedürfnis nach Ordnung und nutzte den Vormittag zum Aufräumen. Interessant – normalerweise fällt mir das eher schwer. Das kann gerne so bleiben.
Mittags kam mein Partner aus dem Dänemark-Urlaub zurück – große Freude! Wir saßen im Garten, wollten uns austauschen, und da traf es mich plötzlich: Ich vermisste meinen Cappuccino. Erst in diesem Moment wurde mir klar, wie leicht mir der Verzicht die Tage davor gefallen war. Ein kurzes „Nein, heute gönne ich meinem Körper die Koffeinpause“ hatte morgens gereicht.
Aber im Garten lernte ich eine neue Lektion über mein Gehirn: Kaffee ist bei mir fest mit wertschätzender Zweisamkeit verknüpft. Ein klassisches neuronales Muster! Während mir der Buchweizen erstaunlich leicht fiel – selbst als alle anderen schlemmten – darf ich für diese sozialen Genuss-Momente wohl noch eine neue Alternative finden.
Tag 6
Nachdem ich gedacht hatte, dass die Laune und auch die körperlichen Symptome beim Fasten nach Tag drei nur noch bergauf gehen würden, ereilte mich an Tag sechs die Erkenntnis: Nichts ist vorhersehbar.
Die Stimmungen und Energielevel schwankten, aber es gelang mir, mich auf diese Wellen einzulassen. Ich führte mir vor Augen, dass ich diese Kur machte, um mich besser kennenzulernen. Es ist eine Reise, Katrin. Eine Abenteuerreise. Du kannst nicht vorhersagen, was passieren wird. Du kannst es nicht kontrollieren. Du darfst jetzt einfach spüren, was passiert. Und so ließ ich mich ein auf diese Reise – um mich durch den Verzicht noch einmal anders und bewusster wahrzunehmen.
Es war wirklich spannend, wie feinfühlig ich wurde, wenn ich meinen Körper nicht mehr mit allerlei Dingen pushte. War ich am Vormittag noch voller Energie, überkam mich mittags wieder eine starke Müdigkeit. Dazu spürte ich im ganzen Körper eine Kälte. Also nahm ich bewusst eine Tasse Ingwertee zu mir, um meinem Körper Wärme zuzuführen. Es half – und mit der Wärme kehrte auch die Energie zurück.
Tag 7
Die Märzferien waren vorbei und die Kurse in der Elternschule gingen wieder los. Ich fühlte mich am Morgen durch den Buchweizen gut gestärkt und konnte die Gruppen bis zum Mittag entspannt begleiten. Mein Kräutertee half mir dabei. Auf dem Nachhauseweg merkte ich jedoch, dass die vielen Eltern und Kinder in dem kleinen Raum Energie gefordert hatten. Mein Körper reagierte mit Kopfschmerzen und einem klaren Signal: Ich brauche Ruhe. Das ist zu viel auf einmal.
Mir wurde bewusst, wie gut unser Körper uns signalisiert, was wir brauchen – und wie oft wir diese Signale im Alltag übergehen, weil wir glauben, die Erholung auf später verschieben zu können. Das ist ein großer Trugschluss. Denn wenn ich in solchen Momenten einfach weitermache, reagiert mein Körper danach meist noch heftiger: mehr Anspannung, stärkere Kopfschmerzen. Ich fuhr also nach Hause, kochte mir meinen Buchweizen, machte beim Essen ruhige Musik an und genoss die Energiezufuhr.
Tag 8
Es war der erste Tag, an dem mir das Essen schwerer fiel. Nicht weil es eklig schmeckte, sondern weil ich mich nach geschmacklicher Vielfalt sehnte – und nach bunten Farben auf dem Teller. Gedanken tauchten auf: Eintönig. Langweilig. Ich mag nicht mehr. Ich brauche was anderes.
Gleichzeitig bemerkte ich, wie sehr diese negativen Gedanken meine Emotionen beeinflussten. Je mehr ich mir sagte, wie sehr ich das Alte vermisste, desto schwerer fiel es mir, den Löffel mit Buchweizen runterzubekommen. Mein Körper reagierte unmittelbar auf meine Gedanken. Also versuchte ich, bewusst positive Gedanken in mein Bewusstsein zu holen: Der Buchweizen ist warm und nährend. Das Gomasio bringt den Knack und die Würzigkeit. Ich bin dankbar, diese Erfahrung zu machen. Und tatsächlich fiel es mir dadurch wieder leichter. Ich war happy, jeden Tag neue kleine Erkenntnisse über mich zu gewinnen.
Tag 9
Beim morgendlichen Spaziergang mit dem Hund dachte ich über Susannes Worte nach, dass sich durch das Heilfasten die körpereigenen Schwachstellen zeigen. Ich spürte noch einmal genauer hin – und nahm die Anspannung und die leichten Schmerzen im Kiefer wahr, die ein paar Tage zuvor bereits aufgeblitzt waren.
Früher hatte ich öfter mit Kopfschmerzen und Nackenverspannungen zu kämpfen – meine klassische Problemzone. Jetzt, wo ich keinerlei Nacken- oder Kopfschmerzen hatte, aber immer wieder ein Ziehen durch meinen Kiefer ging, verstand ich meinen Körper besser: Hier im Kiefer ist die Schwachstelle. Hier ist die Ursache. Ich beschloss, meine alte Beißschiene für die Nacht zu reaktivieren. Und wieder spürte ich eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass sich mir diese kleinen Dinge durch die Kur offenbarten.
Tag 10
Ich wachte an Tag zehn freudig auf. Fast geschafft! Morgen würde mein mittlerer Sohn 14 Jahre alt werden, und ich wollte unbedingt ein Stück Kuchen mit ihm genießen. Da ich das Fastenbrechen jedoch nicht direkt mit Kuchen starten wollte, beschloss ich, die Kur bereits heute Abend mit einer Miso-Suppe zu beenden.
Die Nachrichten in der Fasten-Telegram-Gruppe waren wunderschön – so viel Ermutigung und Freude, das gab mir noch einmal einen echten Push. Überhaupt war die Gruppe sehr unterstützend. Auch wenn es durch die Gruppengröße viele Nachrichten und Wiederholungen gab, freute ich mich über Musikvorschläge zum Tanzen, aufmunternde Worte und fachlich fundierte Tipps von Susanne. Besonders das Teilen der Leidensgeschichten stärkte mich: Andere haben auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen – das ist geteilte Menschlichkeit. Jeder Körper ist anders, wir alle reagieren unterschiedlich und sind auf unserer ganz eigenen Reise.
Beim Abschluss-Call konnte ich zwar nur kurz dabei sein, aber ein Bild half mir besonders: Die Happy Kur ist wie eine Hausrenovierung. Das Grundgerüst ist gelegt, alles ist ausgebessert, gereinigt und geordnet. Doch wie soll mein Haus nun eingerichtet werden? Welche Farben, welche Deko? Wie viel von allem? Ich nahm mir fest vor, diese neue, feine Kommunikation mit meinem Körper mit in den Alltag zu nehmen.
Am Abend kochte ich für die ganze Familie plus Nachbarskinder eine Miso-Suppe – und alle aßen mit. Zwar freuten sie sich nicht so ausgiebig wie ich, die jede Karotte, jede Zuckerschote und jeden Löffel Brühe feierte, aber das war mir egal. Ich feierte mich einfach selbst dafür, diesen Weg ausprobiert zu haben. Meine erste Fastenkur. Meine erste Happy Kur. Diese unglaublich spannende Reise zu mir selbst.
Was ich für meinen Alltag mitnehme
Die Happy Kur kam genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben. Sie hat mich mit genau den Themen konfrontiert, die ich in meinen Kursen und Coachings weitergebe: Achtsamkeit und Selbstmitgefühl.
Durch die Reduktion auf Buchweizen, Gomasio und Kräutertee wurden meine Körpersignale plötzlich glasklar. Mir wurde bewusst, wie oft ich versuche, mich mit Zucker oder Koffein zu pushen, wenn ich eigentlich müde bin. Wie oft ich – selbst wenn ich glaube, achtsam zu sein – Signale nach Ruhe und Sicherheit übergehe, weil ich im Tunnelblick des Funktionierens stecke.
Ich habe gelernt, noch feinfühliger hinzuspüren: Was brauchen Körper und Geist wirklich? Und wie kann ich diese Bedürfnisse im 4-Kinder-Alltag erfüllen, ohne mich abzulenken? Diese Vertiefung der Verbindung zu mir selbst, das Beobachten meiner Gedanken und das Mitgefühl in schwierigen Momenten – das ist das eigentliche Geschenk dieser Reise.
Meine Veränderungen – körperlich und seelisch
Vielleicht fragst du dich nun: Was macht so ein intensiver Fokus auf Achtsamkeit und die Reduktion auf das Wesentliche eigentlich ganz konkret mit dem Körper? Für mich waren die Veränderungen sowohl im Innen als auch im Außen nach diesen zehn Tagen deutlich spürbar:
- Schlaf: Endlich wieder tief! Kein oder kaum nächtliches Aufwachen mehr und ich fühle mich morgens regeneriert.
- Haare & Nägel: Schon ab Tag 2 waren meine Haare fluffiger und glänzender. Meine Nägel sind stabiler und wirken insgesamt gesünder.
- Verdauung: Absolute Leichtigkeit. Kein Völlegefühl, keine Schmerzen – einfach nur entspannt.
- Zyklus: Das war die größte Überraschung. Keinerlei Beschwerden vor oder während der Menstruation und ein reibungsloser Ablauf.
- Psyche: Psyche & Wohlbefinden: Die Verbindung zu mir selbst hat sich in diesen Tagen spürbar vertieft. Ich konnte meinem Körper auf einer ganz neuen Ebene zuhören, Signale feiner wahrnehmen und fühlte mich insgesamt viel mehr mit mir „im Reinen“. Das Gedankenkarussell wurde leiser; ich hatte weniger konfuse Gedanken und fühlte mich innerlich klarer, geordneter und ruhiger. Diese innere Stabilität hat sich direkt auf meinen Alltag übertragen: Ich war deutlich geduldiger und präsenter im Umgang mit meinen Kindern. Natürlich gab es zwischendurch auch emotionalere Phasen und Energieschwankungen – das gehört dazu. Doch genau hier lag die wertvollste Lektion: Weil ich die Dinge langsamer angehen ließ und mir bewusst Pausen gönnte, konnte ich diesen Wellen mit Offenheit begegnen. Ich bin rücksichtsvoller und liebevoller mit mir selbst umgegangen, statt gegen meine Verfassung anzukämpfen.
Was ich mir vornehme
Ich weiß, dass ich Zucker nicht komplett weglassen werde. Ich werde auch mal Eis essen, Kuchen backen, eine Süßigkeit genießen. Aber mir ist deutlich geworden, wie viel ich konsumiere, ohne dass ich es wirklich brauche – ohne dass es einen nährenden Wert hat. Dieses Bewusstsein für das, was ich meinem Körper gebe, möchte ich mitnehmen und vertiefen.
Da ich sehe, wie gut mir Buchweizen getan hat, nehme ich mir vor, ihn öfter auf meinen Speiseplan zu setzen – zum Beispiel als Frühstück oder als sättigendes Mittagsgericht. Und die gute Kommunikation mit meinem Körper, die ich in diesen zehn Tagen gelernt habe, die behalte ich.
Fazit
Diese Kur war kein bloßes Ernährungs-Experiment. Sie war eine Reise – und sie hat mich verändert. Vielleicht ist es für dich nicht der Buchweizen, sondern ein anderer Weg, der dich wieder spüren lässt, wer du eigentlich bist. Und das ist ok, denn jeder geht seinen eigenen Weg. Aber eines weiß ich: Es lohnt sich so sehr, diese Reise zu sich selbst anzutreten. Bist du bereit dafür?